Berichte
mit Gesprächs- und Filmbeiträgen:
Inforadio,
18.1.2003
Gespräch:
Ab kommendem Mittwoch zeigt das Filmmuseum Berlin seine Friedrich-Wilhelm-Murnau-Ausstellung,
und während der Berlinale sind dann im Rahmen der Retrospektive auch
die Murnau-Filme zu sehen. Es geht in diesem Gespräch aber auch um den
Nachlaß des 1931 verstorbenen Hollywood-Regisseurs speziell und um die
Nachlaß-Sammlung des Filmmuseums allgemein. Mit Werner Sudendorf, dem
Leiter der Nachlaß-Sammlung, spricht Reiner Veit. >>
Deutschlandradio, 21.1.2003
Von
Westfalen nach Hollywood
Murnau-Ausstellung im Berliner Filmmuseum
Auszug aus einem Bericht von Jörg Becker
Je näher man diesen Nachlass anschaut, desto mehr scheint sich sein
Hauptdarsteller, Friedrich Wilhelm Murnau (1888 - 1931), zu entfernen.
Der neben Fritz Lang bedeutendste deutsche Stummfilmregisseur der großen
Zeit der 20er Jahre ist tatsächlich bis heute ein Unbekannter geblieben,
ein Weltbürger, ein Bildfanatiker, zugleich ein scheuer, zurückgezogener
Mann vieler Identitäten, dessen Weg aus der westfälischen Provinz über
Die UFA-Babelsberg nach Hollywood führte. Murnau war der legendäre Kunstfilmregisseur
der Weimarer Republik, Werke wie "Faust" oder "Tartüff" sind von ihm,
und Filme wie "Der letzte Mann", die kaum Zwischentitel benutzten und
allein durch die Bildsprache Wirkung entfalteten, setzten Maßstäbe.
Viele der Ausstellungsstücke, die jetzt im Filmhaus zu sehen sind, Briefwechsel
und Fotos aus der Berliner Boheme, der Zeit Murnaus als Schauspieler
am Deutschen Theater und als Weltkriegsleutnant, werden erstmals öffentlich
gezeigt. Sie können den gesamten Beitrag, in dem auch der Kurator Peter
Mänz zu Wort kommt, als RealAudio hören. >>
Deutsche
Welle, 26.1.2003
Vampire
und Südseezauber
Ein
Melancholiker des Stummfilms: Eine Ausstellung im Berliner Filmmuseum
erinnert an das Werk des Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau. Seine
Filme berühren bis heute durch ihre eindringliche Bildsprache.
Von
Dorothee Ott
Langsam
gleitet der Schatten einer Hand über das unschuldig weiße Nachthemd
der jungen Frau. Die Augen weit aufgerissen, sitzt sie, gelähmt vor
Angst und auch vor Faszination, auf ihrem Bett. Plötzlich krampfen sich
die krallenartigen Finger zusammen, genau über dem Herzen des Opfers,
als wollten sie noch den letzten Tropfen Blut aus dem zarten Frauenkörper
herausquetschen. Dies ist nur eine der zahlreichen suggestiven Szenen
aus Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens"
(Deutschland 1921/22). Ein Stummfilm, der seitdem das Genre des Vampirfilms
prägt und bis heute Generationen von Regisseuren beeinflusst. Die berühmte
Szene wird bei der Ausstellung in einer Endlosschleife auf einen großen
Monitor projiziert, zudem kann man kann sogar im Drehbuch Murnaus Regieanweisung
nachlesen: ! Hand - Herz ! - so lakonisch wie nachdrücklich. >>
SFB, Berlinale-Studio
Archiv, 7.2.2003
Immer
wieder neu zu entdecken: Friedrich Wilhelm Murnau
Das Filmmuseum Berlin zeigt noch bis zum 4. Mai 2003 eine Friedrich
Wilhelm Murnau gewidmete Ausstellung. Der auch als "Rembrandt des Films"
bezeichnete Regisseur erzeugte mit seiner "entfesselten" Kamera unverwechselbare
Effekte mit Licht und Schatten. Murnau, der sich an den Großen der Kunstgeschichte
wie Cranach oder Dürer orientierte, gilt bis heute als Visionär einer
künstlerischen Filmsprache. Zur Berlinale präsentiert eine Retrospektive
zwölf der erhaltenen Filme in restaurierten Kopien. >>
Presseresonanz:
Tip, 02/03
Vorspann
Friedrich Wilhelm Murnau - im Filmmuseum (ab 23.1.) und auf der Berlinale
(ab 6.2.)
Von Claudia Lenssen
Sein "Nosferatu" war der erste Film nach Bram Stokers berühmtem Dracula-Roman.
Bis heute gilt der kolorierte Stummfilm als geniale Neuschöpfung des
Stoffs. Max Schreck in der unheimlichen Maske des Vampirs wurde zu einer
Ikone für das gesamte Genre. Friedrich Wilhelm Murnau, der den Film
vor achtzig Jahren drehte, ist bis heute ein faszinierendes Vorbild
für Kinofantasten - schlagen Sie mal bei Michael Ballhaus und Tom Tykwer
nach. Die Räume und Dinge gerieten durch seine "entfesselte" Kamera
in Bewegung. Stimmungen, Ängste - die unheimlichen Seelenregungen selbst
- fanden einen überwältigenden modernen Ausdruck. >>
Der Tagesspiegel,
23.1.2003
Auf der
Jagd nach der Wolke
Vor der Berlinale präsentiert Berlins Filmmuseum den Regisseur F.W.
Murnau
Von Christina Tilmann
Ulrich (oder Wilhelm) von Hutten hat ihn Else Lasker-Schüler genannt.
Hellmuth rief ihn sein Freund Hans Ehrenbaum-Degerle. Friedrich Wilhelm
Plumpe selbst nannte sich seit seinen Studienzeiten Murnau, nach dem
bayerischen Zentrum der Künstlergruppe "Blauer Reiter". Das Spiel mit
Namen und Identitäten gehört zum Zeitgeist: In Berlin geriet Murnau
durch Ehrenbaum schnell in die Dichterkreise um Lasker-Schüler sowie
ans Theater, wo er bei Max Reinhardt spielt und sich unter anderen mit
Conrad Veidt, einem seiner späteren Hauptdarsteller, anfreundet. Ansichtspostkarten
künden dem Bruder Robert nach Bielefeld stolz vom neuen Leben.
Mit der Studienzeit beginnt auch die exzellente Murnau-Ausstellung,
mit der das Berliner Filmmuseum - anlässlich der diesjährigen Berlinale-Retrospektive
- erstmals den Murnau-Nachlass in Berlin präsentiert. Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Gesellschaft
will ihn erwerben und Berlin als Dauerleihgabe überlassen. >>
Berliner
Morgenpost, 23.1.2003
Das
Regie-Genie
Filmpionier, Fotograf, Schauspieler: Das Filmmuseum entdeckt den unbekannten
F. W. Murnau
Von Peter Zander
Friedrich Wilhelm Murnau bildet mit Fritz Lang und G. W. Pabst die Klassikertriade
des frühen deutschen Films. Jetzt wird auch ihm, als Letztem, die Ehre
zuteil, wieder entdeckt zu werden. 2003 wird zu einem regelrechten Murnau-Jahr.
Eröffnet wird es mit einer einzigartigen Ausstellung.
Er gehört, neben Fritz Lang und G. W. Pabst, zur Klassiker-Triade des
frühen deutschen Films. Er hat mit «Nosferatu» das Genre des Horrorfilms
begründet. Hat die Kamera entfesselt. Hat mit «Der letzte Mann» den
ersten Stummfilm ohne Zwischentitel geschrieben. Und war ein Prototyp
des späteren «Aussteigers», als er mit 40 auf Tahiti noch mal ganz von
vorn anfing. Die Amerikaner feierten ihn als «German Genius». Und als
ihm bei seiner Beerdigung am 13. April 1931 auf dem Waldfriedhof Stahnsdorf
bei Berlin Fritz Lang ein letztes Mal den Südeseeinselgruß «Alo ha'Oe,
Murnau» nachrief, war die Crème de la Crème der deutschen Filmkunst
versammelt. >>
die tageszeitung,
23.1.2003
Auf
den Schultern der Kunst
Bei der Ausstellung zu Friedrich Wilhelm Murnau im Filmmuseum Berlin
lässt sich auch sehen, wo die Bilder herkommen
TM
Ein Bild aus seinen Filmen zumindest kennt man, selbst wenn man bis
dato sämtliche Murnau-Retrospektiven verschlafen haben sollte: Wie er
da steht, mit seinem kahlen Schädel und den riesenhaften Krallenfingern,
die Augen weit aufgerissen - Max Schreck als "Nosferatu", der Blut saugende
Dracula. Das Bild des Schreckens, mit dem Friedrich Wilhelm Murnau 1922
einen Prototypen aller weiteren Gruselfilmproduktion prägte. Dabei ist
der Umstand, dass wir unser allgemeines Bilderreservoir zu großen Teilen
dem Kino verdanken, so eine Binsenweisheit, dass man durchaus mal wieder
nachschauen darf, woher eigentlich die Filmemacher ihre Inspirationen
beziehen.
Wie Friedrich Wilhelm Murnau zu seiner Filmsprache kam, wird in der
dem Regisseur gewidmeten Sonderausstellung im Filmmuseum Berlin natürlich
auch anhand der üblichen Exponate wie Drehbücher und Requisiten aufgezeigt.
Daneben aber wurde besonders der Einfluss der bildenden Kunst auf das
Werk Murnaus untersucht, und beim Stöbern in der Kunstgeschichte stieß
man auf reichlich Bildbeispiele, die sich in Komposition und Ausdruck
oft verblüffend deckungsgleich bei Murnau wiederfinden. >>
dpa, 23.1.2003
Ausstellung und Berlinale-Retrospektive erinnern an
F. W. Murnau
Von Wilfried Mommert
«Er ist einer der besten Männer gewesen, die Deutschland nach Hollywood
entsandt hatte», sagte Charlie Chaplin am 11. März 1931 in Berlin, als
ihn die Nachricht vom Tod des Stummfilmregisseurs Friedrich Wilhelm
Murnau in Kalifornien erreichte. Und Fritz Lang würdigte seinen Kollegen
in einem Nachruf als Pionier, «dem der Film die eigentliche Basis verdankt,
sowohl in künstlerischer wie in technischer Besetzung». Murnau war ein
Elegiker des deutschen Films.
Die Berlinale (6.-16. Februar) widmet dem «romantischen Preußen» Friedrich
Wilhelm Plumpe aus Bielefeld, der Kunstgeschichte studierte und eine
Schauspielausbildung erhielt und sich später nach dem Ort seines ersten
Bühnenauftrittes Murnau nannte, eine Retrospektive. Es ist eine Zusammenarbeit
mit der Murnau-Stiftung und dem Berliner Filmmuseum, wo bereits seit
Donnerstag eine Ausstellung über den Regisseur gezeigt wird (bis 4.
Mai). >>
Lippische
Landeszeitung, 23.1.2003
Sonderausstellung zu Murnau
Berliner Schau ist bis zum 4. Mai zu sehen
Mit einer Sonderausstellung will das Filmmuseum Berlin den 1888 in Bielefeld
geborenen deutschen Stummfilm-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau ehren.
"Wir wollen diesem großen Künstler, der ein bisschen in den Hintergrund
gerückt ist, zu neuer Bedeutung verhelfen", sagte Museumsdirektor Hans
Helmut Prinzler gestern bei der Ausstellungseröffnung. Die Schau zeigt
bisher unveröffentlichte Exponate aus dem Nachlass des Regisseurs. Zu
sehen sind persönliche Briefe, Fotos, Drehbücher und Requisiten. Das
Filmmuseum publiziert außerdem das Buch "Friedrich Wilhelm Murnau. Ein
Melancholiker des Films" mit Beiträgen zeitgenössischer deutscher Filmemacher.
Auch auf der Berlinale ist Murnau ein Thema. In der Zeit vom 6. bis
16. Februar werden zwölf Filme des Regisseurs in restaurierten Kopien
präsentiert. >>
filmzeitung.de
23.1.2003
Das Regie-Genie:
F.W. Murnau
Friedrich Wilhelm Murnau bildet mit Fritz Lang und G. W. Pabst die Klassikertriade
des frühen deutschen Films. Jetzt wird auch ihm, als Letztem, die Ehre
zuteil, wieder entdeckt zu werden. 2003 wird zu einem regelrechten Murnau-Jahr.
Eröffnet wird es mit einer einzigartigen Ausstellung.
>>
Die Tagespost,
25.1.2003
Nachhall einer vergangenen Epoche
Eine Ausstellung in Berlin erinnert an den Stummfilmregisseur Friedrich
Wilhelm Murnau
Von Max-Peter Heyne
„Zumindest einige Bilder aus ‚Nosferatu‘, die kennt jeder“, sagte der
französische Filmhistoriker Bernard Eisenschitz in seiner Festrede zur
Eröffnung einer Sonderausstellung im Berliner Filmmuseum über den Regisseur
Friedrich Wilhelm Murnau. Und in der Tat: Den noch heute unheimlichen
Anblick des spindeldürren Vampirs mit den langen Krallen – der vom Schauspieler
namens Max Schreck verkörpert wurde – ist wohl auch denjenigen bekannt,
denen der Name Murnau sonst nichts sagt. Die Ausstellung zu Murnau (bis
4. Mai) findet im Zusammenhang mit der filmhistorischen Retrospektive
der bevorstehenden Berlinale (6.–16.2.2003) statt. Einen besonderen
äußeren Anlass – etwa einen runden Geburts- oder Todestag – gibt es
nicht, sagt der Direktor des Filmmuseums und Leiter der Retrospektive,
Hans Helmut Prinzler. Das Gemeinschaftsprojekt soll Murnau, der eigentlich
Friedrich Wilhelm Plumpe hieß (1888–1931), vor dem Vergessen bewahren.
>>
Welt am
Sonntag, 26.1.2003
Hymne
der Woche
Projekt Murnau - Kolumne
Von Matthias Sommer
Der fahle Blutsauger Nosferatu, den Friedrich Wilhelm Murnau 1921 durch
eine Schwindel erregende Welt aus Licht und Schatten jagte, mal tief
in schwarzes Dunkel gehüllt, dann triumphierend, im gleißenden Gegenlicht
seine Krallenfinger streckend, ist längst ein Teil des kollektiven Bildgedächtnisses.
Sein Regisseur hingegen steht - warum eigentlich? - noch immer im Schatten.
Damit soll nun Schluss sein, sagt Hans Helmut Prinzler von der Deutschen
Kinemathek. Denn mit dem kühn vollendeten "Projekt Murnau" wird das
"German Genius" gleich mehrfach gewürdigt: mit einer detailreichen Ausstellung
im Filmmuseum am Potsdamer Platz, einem Textbildband und schließlich
mit einer neuen Werkschau seiner Filme im Rahmen der Retrospektive der
diesjährigen Berlinale. >>
Märkische
Allgemeine, 27.1.2003
Das
Berliner Filmmuseum würdigt Friedrich Wilhelm Murnau
Ein Melancholiker des Films
Von Andrea Marczinski
40 Jahre nach der letzten großen Ausstellung würdigt Berlin erneut den
Stummfilmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931). Das Filmmuseum
widmet Murnau, der neben Fritz Lang und Georg Wilhelm Pabst zu den bedeutendsten
Regisseuren des Kinos der Weimarer Zeit zählt, eine gut dreimonatige
Sonderschau, eine Retrospektive und das Buch "Friedrich Wilhelm Murnau.
Ein Melancholiker des Films", herausgegeben von Museumsdirektor Hans
Helmut Prinzler.
Murnau habe frühzeitig eine spezifische Filmsprache entwickelt und die
deutsche Filmgeschichte geprägt, sagte Prinzler. Es gelte, vom ihm immer
wieder Neues für die Gegenwart des Filmes zu entdecken. Zwischen 1919
und 1929 hat Murnau 21 Filme gedreht, 17 davon in Deutschland, 3 für
William Fox in den USA, seinen letzten Film "Tabu" machte er in der
Südsee. Die Ausstellung im Filmmuseum konzentriert sich auf seine fünf
bedeutendsten Werke "Nosferatu", "Der letzte Mann", "Faust", "Sunrise"
und "Tabu". >>
Junge Welt,
28.01.2003
Auf dem Teppich
Immer wieder aufs neue blickt man im Berliner Filmmuseum auf das Werk
von Friedrich Wilhelm Murnau
Von Dietmar Kammerer
Gleich drei Wünsche auf einmal erfüllt das
Filmmuseum Berlin den Fans von Friedrich Wilhelm Murnau: mit einer Retrospektive
seiner erhaltenen Filme, einer Sonderausstellung im Filmmuseum und einer
neu erschienenen Monographie - und all das ohne numerischen Anlaß. Kein
Jubiläum, Geburts- oder Todestag des berühmten deutschen Stummfilmregisseurs
hat die Programmacher des Filmmuseums zu dieser Murnau-Offensive veranlaßt,
sondern ganz einfach »der Wunsch, einem bedeutenden Regisseur wieder
mehr Geltung zu verschaffen«, wie Hans Helmut Prinzler, Leiter des Filmmuseums,
auf der Pressekonferenz anmerkte. >>
die
tageszeitung, 6.2.2003
Der Schattenmann
Die Retrospektive der Berlinale ist diesmal Friedrich Wilhelm Murnau
gewidmet. Eine Ausstellung zeigt unter anderem Stereoskopien, die der
Stummfilmregisseur in den Zwanzigerjahren aufnahm
Von Madeleine Bernstorff
"In Hollywood wurde er einbalsamiert, geschminkt auf weißen Atlas in
einen Glassarg gelegt. So kam er zu uns zurück. Wir hatten nicht darum
gebeten. Er sah unwirklich aus wie eine Schaufensterfigur und sich selbst
nicht ähnlich." - So die Schriftstellerin Ruth Landshoff-Yorck, die
als Schülerin in Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu"(1921/22) gespielt
hatte, nach dessen frühen Tod 1931, der wie sein Leben umgeben blieb
von Legenden.
Eine große Retrospektive der Filme des Regisseurs F. W. Murnau ist nun
im Rahmen der Berlinale zu sehen. Dazu erscheint ein Katalog mit Originalbeiträgen,
und in einer kleinen, exquisiten Ausstellung werden neue Dokumente aus
dem kürzlich erworbenen Nachlass des 1888 in Bielefeld unter dem Namen
Friedrich Wilhelm Plumpe Geborenen gezeigt. >>
Film Dienst
4/2003
Ein
großer Unbekannter
Friedrich Wilhelm Murnau: Eine Ausstellung im Filmmuseum Berlin
Von Volker Baer
Schon einmal, vor über vier Jahrzehnten, konnte man Friedrich Wilhelm
Murnau in Berlin in einer Ausstellung begegnen. Doch war damals die
Zielsetzung eine andere als heute. 1961 galt es, auf die Bedeutung einer
filmhistorischen Sammlung hinzuweisen und vornehmlich bei den politisch
Verantwortlichen die Einsicht zu wecken, dass eine deutsche Kinemathek
unabdingbar sei. Man verwies auf das Ausland, vor allem auf Paris, wo
Museen dieser Art selbstverständlich waren. Die Akademie der Künste
stellte ihre Räume und ihre Kräfte zur Verfügung, ehemalige Mitarbeiter
Murnaus wie Robert Herlth rekonstruierten Modelle für den Szenenbau
in frühen Tagen; der greise Regisseur Gerhard Lamprecht steuerte aus
seiner Sammlung, die später zum Grundstock für die Deutsche Kinemathek
in Berlin wurde, manches Stück bei; vieles andere aber musste aus fremdem
Besitz entliehen werden.
Äußerer Anlass war damals Murnaus 30. Todestag. Die aktuelle Ausstellung
– mit der Retrospektive während der „Berlinale“ und der schönen Murnau-Monografie
(Rezension folgt) – ist dagegen frei von äußeren Anlässen oder kulturpolitischen
Aspekten. >>
www.filmkritiken.org
Schnappschüsse, Grau in Grau.
Die Ausstellung F.W.Murnau: Ein Melancholiker des Films im Filmmuseum
Berlin zeigt unter anderem Filmstandbilder von Murnaus Werken und bringt
so das Kino ins Museum.
Das Aufregende an vielen alten Filmen ist ihre heute noch ungebrochene
Wirkungskraft. Filme, die man auch als Laie, ohne Kenntnis ihrer jeweiligen
Produktions- oder Rezeptionsgeschichte ansehen kann, seien sie auch
schon älter als die meisten Menschen. Die Filme Friedrich Wilhelm Murnaus
gehören zu jenen Filmen, nur zwölf von ihnen sind überliefert, aber
diese lassen deutlich erkennen, welch großen Einfluss auf zeitgenössische
Filmemacher das Film- und Weltbild hat, das Murnaus Filme vermitteln.
Die oftmals beschworene "entfesselte" Kamera, die im letzten Mann den
Trompetenton in Ermangelung einer Tonspur des Films durch eine atemberaubende
Fahrt von der Mündung des Instrumentes bis an das Ohr des Schlafenden
mehrere Stockwerke darüber visualisiert, oder die klaustrophobische
Enge des Vampirschlosses in Nosferatu, vermittelt in zahllosen Rahmungen
des Bildes - heute sind solcherlei Kunstgriffe des Films nicht wegzudenken
aus der Bilderproduktion der Filmindustrie.
Murnau eine Ausstellung zu widmen, ohne konkreten Anlass, einfach aufgrund
seines viel zu selten ins Bewusstsein gerufenen Genies, ist eine wertvolle
Geste des Filmmuseums Berlin. >>
Frankfurter
Allgemeine Zeitung, 22.2.2003
Der Teufel und der taumelnde Tag
Eine Berliner Retrospektive zum Werk des deutschen Stummfilmregisseurs
Friedrich Wilhelm Murnau
Von Andreas Kilb
Eines der Exponate der Murnau-Ausstellung im Filmmuseum am Potsdamer
Platz ist ein auf dem Briefpapier einer Pension Felsberg in Luzern geschriebenes
Manuskript von 1918: "Teufelsmädel (ein Film)". Der Anfang des Textes
ist leicht zu entziffern: "In einem märkischen Dorf, nahe Berlin, ein
Landmädel, Tochter eines wohlhabenden Bauern ... Eines Tages hält vor
dem Haus ein elegantes Auto." Die Stadtmenschen lassen bei der Abfahrt
ein Buch zurück, in dem das Mädchen gierig liest, bis der Teufel, der
darin beschrieben wird, ihr wahrhaftig erscheint. "Sie unterschreibt
einen Pakt und - schon ist sie in Berlin als Dame von Welt."
Der Verfasser des Entwurfs, ein Leutnant Murnau, eigentlich Plumpe (kein
Name für einen Künstler!) aus Bielefeld, hat bis Kriegsbeginn in Berlin
Theater gespielt, vor allem bei Max Reinhardt, diente dann als Soldat
im Osten und ist im Jahr zuvor als Kopilot eines Flugaufklärers der
Elsaßfront in der Schweiz notgelandet. Mit dem nahenden Ende des Krieges
bereitet er sich auf die Rückkehr nach Berlin vor. Dort wird er einen
Pakt unterzeichnen: mit dem Kino. >>
Tip, 07/03
Friedrich Wilhelmm Murnau
Lichtbildmaler
Das Berliner Filmmuseum zeigt zahlreiche Exponate aus dem Nachlass des
Stummfilm-Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau, dem die Retrospektive
der diesjährigen Berlinale gewidmet war.
Von Constanze Suhr
Der Blinde steht aufrecht im Boot, das von einem zweiten Mann gerudert
wird, die Wasseroberfläche dahinter glatt wie ein Spiegel. Die Sicht
auf den Protagonisten wird durch einen oben im Bild abschliessenden
Rundbogen geleitet, der, wie ein Kasch vor dem Kameraobjektiv, die Szene
rahmt und dem Auftritt des Fremden etwas Feierliches, Bedeutendes verleiht.
Die Sequenz aus Friedrich Wilhelm Murnaus Film "Der Gang in die Nacht"
von 1920 erinnert in Aufbau und Stimmung an das Gemälde "Toteninsel"
von Arnold Böcklin. Der auffallend aus dem kleinen Boot hochragende
Mann wird zu einer bedrohlichen Erscheinung, die die Zuschauer das nahende
Unheil spüren lässt, welches sein Erscheinen einleitet. Die Auftritte
der Protagonisten durch architektonische Rahmung zu markieren war eine
Art Markenzeichen von Murnau, das er auch für die erste Begegnung zwischen
dem nichts ahnenden Hutter mit dem Schlossherrn ("Nosferatu") einsetzte,
wo die Szene durch einen Torweg betrachtet wird. Der 1931 im Alter von
42 Jahren in Santa Barbara bei einem Autounfall verunglückte Filmregisseur
komponierte seine Lichtbilder bis in den letzten Winkel durch. >>
Weitere
Presseresonanz finden Sie im Kapitel Retrospektive
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