Presseresonanz

 

Berichte mit Gesprächs- und Filmbeiträgen:

Inforadio, 18.1.2003

Gespräch:

Ab kommendem Mittwoch zeigt das Filmmuseum Berlin seine Friedrich-Wilhelm-Murnau-Ausstellung, und während der Berlinale sind dann im Rahmen der Retrospektive auch die Murnau-Filme zu sehen. Es geht in diesem Gespräch aber auch um den Nachlaß des 1931 verstorbenen Hollywood-Regisseurs speziell und um die Nachlaß-Sammlung des Filmmuseums allgemein. Mit Werner Sudendorf, dem Leiter der Nachlaß-Sammlung, spricht Reiner Veit.
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Deutschlandradio, 21.1.2003

Von Westfalen nach Hollywood
Murnau-Ausstellung im Berliner Filmmuseum
Auszug aus einem Bericht von Jörg Becker

Je näher man diesen Nachlass anschaut, desto mehr scheint sich sein Hauptdarsteller, Friedrich Wilhelm Murnau (1888 - 1931), zu entfernen. Der neben Fritz Lang bedeutendste deutsche Stummfilmregisseur der großen Zeit der 20er Jahre ist tatsächlich bis heute ein Unbekannter geblieben, ein Weltbürger, ein Bildfanatiker, zugleich ein scheuer, zurückgezogener Mann vieler Identitäten, dessen Weg aus der westfälischen Provinz über Die UFA-Babelsberg nach Hollywood führte. Murnau war der legendäre Kunstfilmregisseur der Weimarer Republik, Werke wie "Faust" oder "Tartüff" sind von ihm, und Filme wie "Der letzte Mann", die kaum Zwischentitel benutzten und allein durch die Bildsprache Wirkung entfalteten, setzten Maßstäbe.
Viele der Ausstellungsstücke, die jetzt im Filmhaus zu sehen sind, Briefwechsel und Fotos aus der Berliner Boheme, der Zeit Murnaus als Schauspieler am Deutschen Theater und als Weltkriegsleutnant, werden erstmals öffentlich gezeigt. Sie können den gesamten Beitrag, in dem auch der Kurator Peter Mänz zu Wort kommt, als RealAudio hören. >>


Deutsche Welle, 26.1.2003

Vampire und Südseezauber
Ein Melancholiker des Stummfilms: Eine Ausstellung im Berliner Filmmuseum erinnert an das Werk des Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau. Seine Filme berühren bis heute durch ihre eindringliche Bildsprache.
Von Dorothee Ott

Langsam gleitet der Schatten einer Hand über das unschuldig weiße Nachthemd der jungen Frau. Die Augen weit aufgerissen, sitzt sie, gelähmt vor Angst und auch vor Faszination, auf ihrem Bett. Plötzlich krampfen sich die krallenartigen Finger zusammen, genau über dem Herzen des Opfers, als wollten sie noch den letzten Tropfen Blut aus dem zarten Frauenkörper herausquetschen. Dies ist nur eine der zahlreichen suggestiven Szenen aus Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" (Deutschland 1921/22). Ein Stummfilm, der seitdem das Genre des Vampirfilms prägt und bis heute Generationen von Regisseuren beeinflusst. Die berühmte Szene wird bei der Ausstellung in einer Endlosschleife auf einen großen Monitor projiziert, zudem kann man kann sogar im Drehbuch Murnaus Regieanweisung nachlesen: ! Hand - Herz ! - so lakonisch wie nachdrücklich. >>


SFB, Berlinale-Studio Archiv, 7.2.2003

Immer wieder neu zu entdecken: Friedrich Wilhelm Murnau

Das Filmmuseum Berlin zeigt noch bis zum 4. Mai 2003 eine Friedrich Wilhelm Murnau gewidmete Ausstellung. Der auch als "Rembrandt des Films" bezeichnete Regisseur erzeugte mit seiner "entfesselten" Kamera unverwechselbare Effekte mit Licht und Schatten. Murnau, der sich an den Großen der Kunstgeschichte wie Cranach oder Dürer orientierte, gilt bis heute als Visionär einer künstlerischen Filmsprache. Zur Berlinale präsentiert eine Retrospektive zwölf der erhaltenen Filme in restaurierten Kopien. >>



Presseresonanz:


Tip, 02/03

Vorspann
Friedrich Wilhelm Murnau - im Filmmuseum (ab 23.1.) und auf der Berlinale (ab 6.2.)
Von Claudia Lenssen

Sein "Nosferatu" war der erste Film nach Bram Stokers berühmtem Dracula-Roman. Bis heute gilt der kolorierte Stummfilm als geniale Neuschöpfung des Stoffs. Max Schreck in der unheimlichen Maske des Vampirs wurde zu einer Ikone für das gesamte Genre. Friedrich Wilhelm Murnau, der den Film vor achtzig Jahren drehte, ist bis heute ein faszinierendes Vorbild für Kinofantasten - schlagen Sie mal bei Michael Ballhaus und Tom Tykwer nach. Die Räume und Dinge gerieten durch seine "entfesselte" Kamera in Bewegung. Stimmungen, Ängste - die unheimlichen Seelenregungen selbst - fanden einen überwältigenden modernen Ausdruck. >>




Der Tagesspiegel, 23.1.2003

Auf der Jagd nach der Wolke
Vor der Berlinale präsentiert Berlins Filmmuseum den Regisseur F.W. Murnau
Von Christina Tilmann

Ulrich (oder Wilhelm) von Hutten hat ihn Else Lasker-Schüler genannt. Hellmuth rief ihn sein Freund Hans Ehrenbaum-Degerle. Friedrich Wilhelm Plumpe selbst nannte sich seit seinen Studienzeiten Murnau, nach dem bayerischen Zentrum der Künstlergruppe "Blauer Reiter". Das Spiel mit Namen und Identitäten gehört zum Zeitgeist: In Berlin geriet Murnau durch Ehrenbaum schnell in die Dichterkreise um Lasker-Schüler sowie ans Theater, wo er bei Max Reinhardt spielt und sich unter anderen mit Conrad Veidt, einem seiner späteren Hauptdarsteller, anfreundet. Ansichtspostkarten künden dem Bruder Robert nach Bielefeld stolz vom neuen Leben.

Mit der Studienzeit beginnt auch die exzellente Murnau-Ausstellung, mit der das Berliner Filmmuseum - anlässlich der diesjährigen Berlinale-Retrospektive - erstmals den Murnau-Nachlass in Berlin präsentiert. Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Gesellschaft will ihn erwerben und Berlin als Dauerleihgabe überlassen. >>

 

Berliner Morgenpost, 23.1.2003

Das Regie-Genie
Filmpionier, Fotograf, Schauspieler: Das Filmmuseum entdeckt den unbekannten F. W. Murnau
Von Peter Zander

Friedrich Wilhelm Murnau bildet mit Fritz Lang und G. W. Pabst die Klassikertriade des frühen deutschen Films. Jetzt wird auch ihm, als Letztem, die Ehre zuteil, wieder entdeckt zu werden. 2003 wird zu einem regelrechten Murnau-Jahr. Eröffnet wird es mit einer einzigartigen Ausstellung.
Er gehört, neben Fritz Lang und G. W. Pabst, zur Klassiker-Triade des frühen deutschen Films. Er hat mit «Nosferatu» das Genre des Horrorfilms begründet. Hat die Kamera entfesselt. Hat mit «Der letzte Mann» den ersten Stummfilm ohne Zwischentitel geschrieben. Und war ein Prototyp des späteren «Aussteigers», als er mit 40 auf Tahiti noch mal ganz von vorn anfing. Die Amerikaner feierten ihn als «German Genius». Und als ihm bei seiner Beerdigung am 13. April 1931 auf dem Waldfriedhof Stahnsdorf bei Berlin Fritz Lang ein letztes Mal den Südeseeinselgruß «Alo ha'Oe, Murnau» nachrief, war die Crème de la Crème der deutschen Filmkunst versammelt. >>

 

die tageszeitung, 23.1.2003

Auf den Schultern der Kunst
Bei der Ausstellung zu Friedrich Wilhelm Murnau im Filmmuseum Berlin lässt sich auch sehen, wo die Bilder herkommen
TM

Ein Bild aus seinen Filmen zumindest kennt man, selbst wenn man bis dato sämtliche Murnau-Retrospektiven verschlafen haben sollte: Wie er da steht, mit seinem kahlen Schädel und den riesenhaften Krallenfingern, die Augen weit aufgerissen - Max Schreck als "Nosferatu", der Blut saugende Dracula. Das Bild des Schreckens, mit dem Friedrich Wilhelm Murnau 1922 einen Prototypen aller weiteren Gruselfilmproduktion prägte. Dabei ist der Umstand, dass wir unser allgemeines Bilderreservoir zu großen Teilen dem Kino verdanken, so eine Binsenweisheit, dass man durchaus mal wieder nachschauen darf, woher eigentlich die Filmemacher ihre Inspirationen beziehen.

Wie Friedrich Wilhelm Murnau zu seiner Filmsprache kam, wird in der dem Regisseur gewidmeten Sonderausstellung im Filmmuseum Berlin natürlich auch anhand der üblichen Exponate wie Drehbücher und Requisiten aufgezeigt. Daneben aber wurde besonders der Einfluss der bildenden Kunst auf das Werk Murnaus untersucht, und beim Stöbern in der Kunstgeschichte stieß man auf reichlich Bildbeispiele, die sich in Komposition und Ausdruck oft verblüffend deckungsgleich bei Murnau wiederfinden. >>



dpa, 23.1.2003

Ausstellung und Berlinale-Retrospektive erinnern an
F. W. Murnau
Von Wilfried Mommert

«Er ist einer der besten Männer gewesen, die Deutschland nach Hollywood entsandt hatte», sagte Charlie Chaplin am 11. März 1931 in Berlin, als ihn die Nachricht vom Tod des Stummfilmregisseurs Friedrich Wilhelm Murnau in Kalifornien erreichte. Und Fritz Lang würdigte seinen Kollegen in einem Nachruf als Pionier, «dem der Film die eigentliche Basis verdankt, sowohl in künstlerischer wie in technischer Besetzung». Murnau war ein Elegiker des deutschen Films.
Die Berlinale (6.-16. Februar) widmet dem «romantischen Preußen» Friedrich Wilhelm Plumpe aus Bielefeld, der Kunstgeschichte studierte und eine Schauspielausbildung erhielt und sich später nach dem Ort seines ersten Bühnenauftrittes Murnau nannte, eine Retrospektive. Es ist eine Zusammenarbeit mit der Murnau-Stiftung und dem Berliner Filmmuseum, wo bereits seit Donnerstag eine Ausstellung über den Regisseur gezeigt wird (bis 4. Mai). >>

 

Lippische Landeszeitung, 23.1.2003

Sonderausstellung zu Murnau
Berliner Schau ist bis zum 4. Mai zu sehen

Mit einer Sonderausstellung will das Filmmuseum Berlin den 1888 in Bielefeld geborenen deutschen Stummfilm-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau ehren.
"Wir wollen diesem großen Künstler, der ein bisschen in den Hintergrund gerückt ist, zu neuer Bedeutung verhelfen", sagte Museumsdirektor Hans Helmut Prinzler gestern bei der Ausstellungseröffnung. Die Schau zeigt bisher unveröffentlichte Exponate aus dem Nachlass des Regisseurs. Zu sehen sind persönliche Briefe, Fotos, Drehbücher und Requisiten. Das Filmmuseum publiziert außerdem das Buch "Friedrich Wilhelm Murnau. Ein Melancholiker des Films" mit Beiträgen zeitgenössischer deutscher Filmemacher. Auch auf der Berlinale ist Murnau ein Thema. In der Zeit vom 6. bis 16. Februar werden zwölf Filme des Regisseurs in restaurierten Kopien präsentiert. >>



filmzeitung.de 23.1.2003

Das Regie-Genie: F.W. Murnau


Friedrich Wilhelm Murnau bildet mit Fritz Lang und G. W. Pabst die Klassikertriade des frühen deutschen Films. Jetzt wird auch ihm, als Letztem, die Ehre zuteil, wieder entdeckt zu werden. 2003 wird zu einem regelrechten Murnau-Jahr. Eröffnet wird es mit einer einzigartigen Ausstellung.

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Die Tagespost, 25.1.2003

Nachhall einer vergangenen Epoche
Eine Ausstellung in Berlin erinnert an den Stummfilmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau
Von Max-Peter Heyne

„Zumindest einige Bilder aus ‚Nosferatu‘, die kennt jeder“, sagte der französische Filmhistoriker Bernard Eisenschitz in seiner Festrede zur Eröffnung einer Sonderausstellung im Berliner Filmmuseum über den Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau. Und in der Tat: Den noch heute unheimlichen Anblick des spindeldürren Vampirs mit den langen Krallen – der vom Schauspieler namens Max Schreck verkörpert wurde – ist wohl auch denjenigen bekannt, denen der Name Murnau sonst nichts sagt. Die Ausstellung zu Murnau (bis 4. Mai) findet im Zusammenhang mit der filmhistorischen Retrospektive der bevorstehenden Berlinale (6.–16.2.2003) statt. Einen besonderen äußeren Anlass – etwa einen runden Geburts- oder Todestag – gibt es nicht, sagt der Direktor des Filmmuseums und Leiter der Retrospektive, Hans Helmut Prinzler. Das Gemeinschaftsprojekt soll Murnau, der eigentlich Friedrich Wilhelm Plumpe hieß (1888–1931), vor dem Vergessen bewahren. >>


Welt am Sonntag, 26.1.2003

Hymne der Woche
Projekt Murnau - Kolumne
Von Matthias Sommer

Der fahle Blutsauger Nosferatu, den Friedrich Wilhelm Murnau 1921 durch eine Schwindel erregende Welt aus Licht und Schatten jagte, mal tief in schwarzes Dunkel gehüllt, dann triumphierend, im gleißenden Gegenlicht seine Krallenfinger streckend, ist längst ein Teil des kollektiven Bildgedächtnisses. Sein Regisseur hingegen steht - warum eigentlich? - noch immer im Schatten. Damit soll nun Schluss sein, sagt Hans Helmut Prinzler von der Deutschen Kinemathek. Denn mit dem kühn vollendeten "Projekt Murnau" wird das "German Genius" gleich mehrfach gewürdigt: mit einer detailreichen Ausstellung im Filmmuseum am Potsdamer Platz, einem Textbildband und schließlich mit einer neuen Werkschau seiner Filme im Rahmen der Retrospektive der diesjährigen Berlinale. >>

 

Märkische Allgemeine, 27.1.2003

Das Berliner Filmmuseum würdigt Friedrich Wilhelm Murnau
Ein Melancholiker des Films
Von Andrea Marczinski

40 Jahre nach der letzten großen Ausstellung würdigt Berlin erneut den Stummfilmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931). Das Filmmuseum widmet Murnau, der neben Fritz Lang und Georg Wilhelm Pabst zu den bedeutendsten Regisseuren des Kinos der Weimarer Zeit zählt, eine gut dreimonatige Sonderschau, eine Retrospektive und das Buch "Friedrich Wilhelm Murnau. Ein Melancholiker des Films", herausgegeben von Museumsdirektor Hans Helmut Prinzler.

Murnau habe frühzeitig eine spezifische Filmsprache entwickelt und die deutsche Filmgeschichte geprägt, sagte Prinzler. Es gelte, vom ihm immer wieder Neues für die Gegenwart des Filmes zu entdecken. Zwischen 1919 und 1929 hat Murnau 21 Filme gedreht, 17 davon in Deutschland, 3 für William Fox in den USA, seinen letzten Film "Tabu" machte er in der Südsee. Die Ausstellung im Filmmuseum konzentriert sich auf seine fünf bedeutendsten Werke "Nosferatu", "Der letzte Mann", "Faust", "Sunrise" und "Tabu". >>



Junge Welt, 28.01.2003

Auf dem Teppich
Immer wieder aufs neue blickt man im Berliner Filmmuseum auf das Werk von Friedrich Wilhelm Murnau

Von Dietmar Kammerer

Gleich drei Wünsche auf einmal erfüllt das Filmmuseum Berlin den Fans von Friedrich Wilhelm Murnau: mit einer Retrospektive seiner erhaltenen Filme, einer Sonderausstellung im Filmmuseum und einer neu erschienenen Monographie - und all das ohne numerischen Anlaß. Kein Jubiläum, Geburts- oder Todestag des berühmten deutschen Stummfilmregisseurs hat die Programmacher des Filmmuseums zu dieser Murnau-Offensive veranlaßt, sondern ganz einfach »der Wunsch, einem bedeutenden Regisseur wieder mehr Geltung zu verschaffen«, wie Hans Helmut Prinzler, Leiter des Filmmuseums, auf der Pressekonferenz anmerkte. >>



die tageszeitung, 6.2.2003

Der Schattenmann
Die Retrospektive der Berlinale ist diesmal Friedrich Wilhelm Murnau gewidmet. Eine Ausstellung zeigt unter anderem Stereoskopien, die der Stummfilmregisseur in den Zwanzigerjahren aufnahm
Von Madeleine Bernstorff

"In Hollywood wurde er einbalsamiert, geschminkt auf weißen Atlas in einen Glassarg gelegt. So kam er zu uns zurück. Wir hatten nicht darum gebeten. Er sah unwirklich aus wie eine Schaufensterfigur und sich selbst nicht ähnlich." - So die Schriftstellerin Ruth Landshoff-Yorck, die als Schülerin in Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu"(1921/22) gespielt hatte, nach dessen frühen Tod 1931, der wie sein Leben umgeben blieb von Legenden.

Eine große Retrospektive der Filme des Regisseurs F. W. Murnau ist nun im Rahmen der Berlinale zu sehen. Dazu erscheint ein Katalog mit Originalbeiträgen, und in einer kleinen, exquisiten Ausstellung werden neue Dokumente aus dem kürzlich erworbenen Nachlass des 1888 in Bielefeld unter dem Namen Friedrich Wilhelm Plumpe Geborenen gezeigt. >>




Film Dienst 4/2003

Ein großer Unbekannter
Friedrich Wilhelm Murnau: Eine Ausstellung im Filmmuseum Berlin
Von Volker Baer

Schon einmal, vor über vier Jahrzehnten, konnte man Friedrich Wilhelm Murnau in Berlin in einer Ausstellung begegnen. Doch war damals die Zielsetzung eine andere als heute. 1961 galt es, auf die Bedeutung einer filmhistorischen Sammlung hinzuweisen und vornehmlich bei den politisch Verantwortlichen die Einsicht zu wecken, dass eine deutsche Kinemathek unabdingbar sei. Man verwies auf das Ausland, vor allem auf Paris, wo Museen dieser Art selbstverständlich waren. Die Akademie der Künste stellte ihre Räume und ihre Kräfte zur Verfügung, ehemalige Mitarbeiter Murnaus wie Robert Herlth rekonstruierten Modelle für den Szenenbau in frühen Tagen; der greise Regisseur Gerhard Lamprecht steuerte aus seiner Sammlung, die später zum Grundstock für die Deutsche Kinemathek in Berlin wurde, manches Stück bei; vieles andere aber musste aus fremdem Besitz entliehen werden.

Äußerer Anlass war damals Murnaus 30. Todestag. Die aktuelle Ausstellung – mit der Retrospektive während der „Berlinale“ und der schönen Murnau-Monografie (Rezension folgt) – ist dagegen frei von äußeren Anlässen oder kulturpolitischen Aspekten. >>




www.filmkritiken.org

Schnappschüsse, Grau in Grau.
Die Ausstellung F.W.Murnau: Ein Melancholiker des Films im Filmmuseum Berlin zeigt unter anderem Filmstandbilder von Murnaus Werken und bringt so das Kino ins Museum.

Das Aufregende an vielen alten Filmen ist ihre heute noch ungebrochene Wirkungskraft. Filme, die man auch als Laie, ohne Kenntnis ihrer jeweiligen Produktions- oder Rezeptionsgeschichte ansehen kann, seien sie auch schon älter als die meisten Menschen. Die Filme Friedrich Wilhelm Murnaus gehören zu jenen Filmen, nur zwölf von ihnen sind überliefert, aber diese lassen deutlich erkennen, welch großen Einfluss auf zeitgenössische Filmemacher das Film- und Weltbild hat, das Murnaus Filme vermitteln.

Die oftmals beschworene "entfesselte" Kamera, die im letzten Mann den Trompetenton in Ermangelung einer Tonspur des Films durch eine atemberaubende Fahrt von der Mündung des Instrumentes bis an das Ohr des Schlafenden mehrere Stockwerke darüber visualisiert, oder die klaustrophobische Enge des Vampirschlosses in Nosferatu, vermittelt in zahllosen Rahmungen des Bildes - heute sind solcherlei Kunstgriffe des Films nicht wegzudenken aus der Bilderproduktion der Filmindustrie.

Murnau eine Ausstellung zu widmen, ohne konkreten Anlass, einfach aufgrund seines viel zu selten ins Bewusstsein gerufenen Genies, ist eine wertvolle Geste des Filmmuseums Berlin.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.2.2003

Der Teufel und der taumelnde Tag

Eine Berliner Retrospektive zum Werk des deutschen Stummfilmregisseurs Friedrich Wilhelm Murnau

Von Andreas Kilb

Eines der Exponate der Murnau-Ausstellung im Filmmuseum am Potsdamer Platz ist ein auf dem Briefpapier einer Pension Felsberg in Luzern geschriebenes Manuskript von 1918: "Teufelsmädel (ein Film)". Der Anfang des Textes ist leicht zu entziffern: "In einem märkischen Dorf, nahe Berlin, ein Landmädel, Tochter eines wohlhabenden Bauern ... Eines Tages hält vor dem Haus ein elegantes Auto." Die Stadtmenschen lassen bei der Abfahrt ein Buch zurück, in dem das Mädchen gierig liest, bis der Teufel, der darin beschrieben wird, ihr wahrhaftig erscheint. "Sie unterschreibt einen Pakt und - schon ist sie in Berlin als Dame von Welt."

Der Verfasser des Entwurfs, ein Leutnant Murnau, eigentlich Plumpe (kein Name für einen Künstler!) aus Bielefeld, hat bis Kriegsbeginn in Berlin Theater gespielt, vor allem bei Max Reinhardt, diente dann als Soldat im Osten und ist im Jahr zuvor als Kopilot eines Flugaufklärers der Elsaßfront in der Schweiz notgelandet. Mit dem nahenden Ende des Krieges bereitet er sich auf die Rückkehr nach Berlin vor. Dort wird er einen Pakt unterzeichnen: mit dem Kino. >>




Tip, 07/03

Friedrich Wilhelmm Murnau
Lichtbildmaler

Das Berliner Filmmuseum zeigt zahlreiche Exponate aus dem Nachlass des Stummfilm-Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau, dem die Retrospektive der diesjährigen Berlinale gewidmet war.
Von Constanze Suhr

Der Blinde steht aufrecht im Boot, das von einem zweiten Mann gerudert wird, die Wasseroberfläche dahinter glatt wie ein Spiegel. Die Sicht auf den Protagonisten wird durch einen oben im Bild abschliessenden Rundbogen geleitet, der, wie ein Kasch vor dem Kameraobjektiv, die Szene rahmt und dem Auftritt des Fremden etwas Feierliches, Bedeutendes verleiht. Die Sequenz aus Friedrich Wilhelm Murnaus Film "Der Gang in die Nacht" von 1920 erinnert in Aufbau und Stimmung an das Gemälde "Toteninsel" von Arnold Böcklin. Der auffallend aus dem kleinen Boot hochragende Mann wird zu einer bedrohlichen Erscheinung, die die Zuschauer das nahende Unheil spüren lässt, welches sein Erscheinen einleitet. Die Auftritte der Protagonisten durch architektonische Rahmung zu markieren war eine Art Markenzeichen von Murnau, das er auch für die erste Begegnung zwischen dem nichts ahnenden Hutter mit dem Schlossherrn ("Nosferatu") einsetzte, wo die Szene durch einen Torweg betrachtet wird. Der 1931 im Alter von 42 Jahren in Santa Barbara bei einem Autounfall verunglückte Filmregisseur komponierte seine Lichtbilder bis in den letzten Winkel durch. >>


Weitere Presseresonanz finden Sie im Kapitel Retrospektive


 

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